30
Mrz
11

Aktion Deutscher Film

Ziemlich genau ein halbes Jahr schreibt der olle Unoculus jetzt am Kintopp. Doch schon ein Blick auf die Liste der eingestellten Beiträge zeigt, dass bisher verhältnismäßig wenig deutschsprachige Filme besprochen wurden. Um genau zu sein nur ein Einziger – Olympia (D / 1938)… Lediglich ein Beitrag von 25!

UND bei vielen Film-Blog-Kollegen sieht es in Bezug auf den deutschsprachigen Film ähnlich düster aus. Woran mag das liegen? Gibt es zu wenig qualitativ hochwertige Produktionen aus deutschen Landen? Sind wir zu sehr an die „heimische Kost“ gewöhnt? Kann sich der deutschsprachige Film einfach nicht gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen? Wohl eher unzureichende Erklärungen…

Wie dem auch sei; es ist an der Zeit entgegenzusteuern und dem deutschen Film mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und genau aus diesem Grund möchte auch der „Kintopp“ die tolle Aktion des intergalaktischen Affenmanns mit Begeisterung unterstützen –

Die „Aktion Deutscher Film“.

Jeder Interessierte Blogger sei deshalb aufgefordert sich an dieser militärisch-präzis konzipierten Unternehmung zu beteiligen. Je mehr Input, Aufmerksamkeit und Beschäftigung mit dem Thema deutscher Film, desto besser. Die gemeinschaftliche Konzentration verschiedener Filmblogs und Bloggerlinge, stellt ein wirklich zu begrüßendes Experiment dar, um in gemeinsamer Anstrengung intensiv über den oftmals sträflich vernachlässigten deutschsprachigen Film zu recherchieren und zu diskutieren… damit so deprimierende Quoten wie bei mir, in Zukunft verhindert werden.

Kurzum: Ich freue mich darauf im Verlauf des Jahres Vergessenes wieder zu entdecken, Verdrängtem eine neue Chance zu geben und vor allem, noch nicht Bekanntes zu erschließen.

Hier nun meine favorisierten Zehn UND Zehn weitere großartige deutsche Filme, die sich wirklich lohnen. Die Reihenfolge der aufgelisteten Filme spielt keine bestimmte Rolle.

 

Karbid und Sauerampfer“ (DDR / 1963)

Ein augenzwinkerndes Zeitdokument mit vielen Seitenhieben auf politisch-militaristisch-logistische Unzulänglichkeiten und ein seltenes Beispiel von deutschem „savoir vivre“.

_______________

Auch Zwerge haben klein angefangen“ (D / 1970)

Ein pervers-anarchistischer Aufstand gegen den guten Geschmack – grotesk, blasphemisch, surreal. Dieser Film ist wahrlich unvergesslich.

________________

Das Cabinet des Dr. Caligari“ (D / 1920)

DER Klassiker unter den Klassikern. Ein Film der bis heute funktioniert und bis heute nachwirkt. „Du mußt Caligari werden“.

________________

Jonas“ (D / 1957)

Begeisternd unkonventionell. Ein Film über einen Außenseiter, der gleichzeitig ein Jedermann ist. Definitiv ein sträflich vernachlässigtes Meisterwerk. Empfohlen sei an dieser Stelle die gelungene Besprechung auf Whoknows.

________________

M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (D / 1930)

Schon bei meinen „Top 10 überhaupt“ dabei, darf „M“ natürlich auch hier nicht fehlen. Die Definition eines zeitlosen Klassikers.

________________

Piratensender Powerplay“ (D / 1982)

Natürlich! Auch DAS ist deutscher Film. Mit dem Holzhammer gestrickt, stets flach aber doch liebenswert. „Piratensender Powerplay“ steht dabei exemplarisch für die frühen Otto-Filme, für Karl Dalls Eskapaden am Kilimandscharo und auf Ibiza, für Hape Kerkelings unterschätzte Komödien und natürlich für das gesamte Supernasen-Oeuvre… Filme die auch nach der 20. „Sichtung“ wertvoller werden.

________________

Olympia-Fest der Schönheit“ (D / 1938)

Formale Perfektion mit fragwürdiger (aber niemals flach-eindeutiger) Aussage. Dennoch definitiv ein visuelles Meisterwerk.

________________

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (D / 1922)

Der poetische Horrorfilm fasziniert bis zum heutigen Tage. Einige, teilweise nebensächliche, Einstellungen verfolgen mich bis heute. Magier Murnau wusste einfach wie es geht.

________________

Zur Sache, Schätzchen“ (D / 1968)

Sozusagen eine Herzensangelegenheit. Ein ziemlich takt- und ruheloser Film, der sicherlich streckenweise etwas angestaubt wirkt, aber dennoch in einigen Sequenzen Auf- und Abbruchstimmung vermittelt.

________________

Das kalte Herz“ (DDR / 1950)

Das altmodische, scheinbar träg dahinfließende Märchen, entführt einen fast unmerklich in eine andere Welt. Die fantastisch-düstere Kraft des Films ist dabei jederzeit spürbar.

_______________

 

Und hier noch zehn Filme die es knapp nicht in die Top 10 geschafft haben, aber dennoch nicht minder sehenswert sind.

 

Abschied“ (D / 1930) – Die in nur 10 Tagen abgedrehte „Billigproduktion“ macht aus der Not eine Tugend. Sozusagen eine Art Nachfolgefilm des ebenfalls großartig reduktionistischen „Menschen am Sonntag“ (D / 1930).

________________

Der Schatz“ (D / 1923) – Die überraschend surrealen Anfänge des „Pabstes“ der Neuen Sachlichkeit. Kleine Geschichte, große Wirkung.

________________

Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“ (D / 1932) – Brecht, Dudow, Eisler und der großartige Ernst Busch schufen gemeinsam ein einmaliges Film-Experiment.

________________

Wunschkonzert“ (D / 1940) – Teile dieses Films beeindrucken bis heute, andere Teile erschrecken in ihrer tendenziösen Machart. Dennoch definitiv einen Blick wert.

________________

Angst essen Seele auf“ (D / 1974) – Rührende Menschlichkeit vs. gesellschaftliche Konventionen. Fassbinder vermittelt hoffnungsvolle Traurigkeit…

________________

Der letzte Mann“ (D / 1924) – Visuell ein nahezu perfekter Film, in dem die Kamera die Geschichte erzählt. Vielleicht Murnaus Bester…

________________

Doppelpack“ (D / 2000) – Oft liebenswert, manchmal poetisch, häufig nichtig und meistens wahr. Ein definitiv unterschätzter Film über das Leben…

________________

Die Nibelungen“ (D / 1922/24) – Faszinierend und verstörend: Monumentales Geklotze und triviale Kleckerei. Muss man gesehen haben.

________________

Jakob, der Lügner“ (DDR / 1975) – Mit wenig Mitteln viel erreicht. Zurückhaltend, unaufgeregt und ungemein bewegend.

________________

Der Student von Prag“ (D / 1913) – Natürlich darf der große Paul Wegener nicht fehlen. Ein ungemein reifer Film, der seiner Zeit weit voraus war.

Advertisements

13 Responses to “Aktion Deutscher Film”


  1. 30. März 2011 um 23:49

    @Jonas: Wobei ich betonen muss, dass die Besprechung von meinem geschätzten Kollegen Manfred Polak, den ich mittlerweile zum Co-Admin ernannt habe, stammt (der Kerl schmeisst mich aus meinem Blog, wenn ich das nicht betone). 😉

    @Piratensender Powerplay: Da kommen wir ja beim Durchlesen der Listen einem „Guilty Pleasure“ nach dem anderen auf die Spur. Die Blondine hinter Mike Krüger kommt mir bekannt vor. Michelle Hunziker?

    „Das kalte Herz“ ist eines meiner ganz grossen Kindheitheitserlebnisse und führte überhaupt zu einer Beschäftigung mit Wilhelm Hauff. Ein magischer Film! Überhaupt schön, dass du auch DDR-Filme aufführst (auf „Jakob, der Lügner“ hätte ich selber kommen müssen).

    Alles in allem eine sehr spannende Liste, die an Bekanntes erinnert und neugierig auf Entdeckungen macht („Wunschkonzert“ war mir z.B. nur vom Titel her als Ablenkungsfilm par excellence mit pfeifender Ilse Werner – ? – ein Begriff). – Ich hoffe, du hast sie zu „Intergalaktische Filmreisen“ verlinkt. Unser aller Affenmann wird sich darüber freuen.

    • 31. März 2011 um 17:39

      „Unser aller Affenmann…“ – das gefällt mir 🙂

      Zum Piratensender: Ist mir noch gar nicht aufgefallen, aber du hast recht. Die Ähnlichkeit mit der Hunziker ist frappierend…

      Zu „Wunschkonzert“: Ja, sicher der Film ist mit Vorsicht zu genießen… kommt so harmlos daher, transportiert aber viel mehr als harmlose Unterhaltung… Ich finde dabei entlarvt sich der Film teilweise selbst. Die große Wunscherfüllung findet nie statt, es geht eher um Verzicht. Es gibt einige wirklich gut inszenierte Stellen, die sich wirklich lohnen und den Vergleich mit Hollywood nicht scheuen brauchen. Interessant finde ich vor allem den dokumentarischen Ansatz; und die alles verbindende Rolle des Radios als Zentrum des Films. Auf jeden Fall einen Blick wert…

  2. 31. März 2011 um 17:41

    Achso: Soweit ich mich erinnere pfeift die Werner in „Wunschkonzert“ nicht… aber ich glaube in Käutners „Wir machen Musik“ (1942)? Meinst du den vielleicht?

  3. 31. März 2011 um 21:21

    Großes und unbekanntes, ein sehr schön durchmengter Einstieg in die militärisch-präzis konzipierten Unternehmung. *lol* Diese Umschreibung der Aktion ist wirklich köstlich. Ein selbstkasteiendes „Affe unser“ verlangt übrigens niemand. 😀

    Gerade der Anteil an DDR-Filmen übrigens kommt mir sehr gelegen, da habe ich unbedingten Nachholbedarf. Ich kenne eigentlich nur ein paar Western und die waren bis auf die Darstellung der Indianer eher so lala. Wenn ich mir etwas für künftige Reviews wünschen darf, dann aus diesem Bereich. 😉

  4. 1. April 2011 um 19:03

    „Achso: Soweit ich mich erinnere pfeift die Werner in „Wunschkonzert“ nicht… aber ich glaube in Käutners „Wir machen Musik“ (1942)?“

    Stimmt! „Wir machen Musik“ war der herrlich unterhaltsame Film, an den ich dachte. Er ist sogar auf DVD erhältlich. Muss ich mir unbedingt zulegen, da Käutner sich auch Mühe gab, dem Tendenziösen zu entkommen.

  5. 1. April 2011 um 23:49

    „Das kalte Herz“ ist eines meiner ganz grossen Kindheitheitserlebnisse und führte überhaupt zu einer Beschäftigung mit Wilhelm Hauff“

    Oh ja. „Das Kalte Herz“ ist in jeder Form Pflicht. Wunderbar schrecklich und aus der Heimat meiner Ahnen.

  6. 4. April 2011 um 15:26

    Schöne Liste, mit den Zwergen und dem Piratensender. Gottschalk und Krüger waren wohl eines meiner ersten surrealistischen Filmerlebnisse als Kind, da ich vor allem einige Anfngssequenzen damals als unheimlich und bedrückend empfand. Muss ich mir aber unbedingt mal wieder anschauen (sowie Zärtliche Chaoten I+II, der/die mich als Kind in einem noch weitaus größeren Maße verstört hat).

    Der Herzog-Zwerge Film war übrigens ein Werk das mich (aber erst im Nachhinein) zu einer erneuerten Wertschätzung von Herzog geführt hat.

    Und DDR-Filme kennt glaube ich keiner viele, der nicht in der DDR aufwuchs. Habe mir gerade am Wochenende im Kino „Alfons Zitterbacke“ angeguckt, um meine Lücken ein bisschen kleiner lassen werden zu können.

  7. 14. April 2011 um 13:40

    Toll, dass Du den „Piratensender“ ausgewählt hast. Der war bei mir in der engeren Auswahl, musste sich dann aber dem „Schulmädchen-Report“ geschlagen geben.

    @ Sano

    Das mit der bedrückenden Stimmung kann ich nachempfinden. Da steckt eine gewisse bundesrepublikanische Depression drin, camoufliert mit Spontisprüchen. Den „Piratensender“ auch noch tautologisch enden zu lassen hat mich als Kind völlig meschugge gemacht.

  8. 17. April 2011 um 20:29

    Gute Nachrichten! Ab jetzt startet der Welt erste Verlosung im Rahmen der Aktion deutscher Film. Schau vorbei und mach mit. Und erzähl allen davon. 😉


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Unter den Blinden…

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Kein Anspruch auf Richtigkeit. Pure Subjektivität eines Einäugigen...

kategorisiert

Hier die E-Mail-Adresse eingeben, um über neue Beiträge informiert zu werden.

Schließe dich 6 Followern an


%d Bloggern gefällt das: